An diesem Dezembermorgen ist Alin* für einen Lieferpartner von Amazon im Münchner Umland unterwegs, um Amazon Kund:innen ihre Bestellungen zu bringen. Er fahre gerne in ländlichere Gebiete, lässt er uns wissen: „Da ist die Zustellung einfacher und es gibt weniger Gegensprechanlagen.“ Sie sind eine Herausforderung für Alin: Als Kleinkind hat er durch eine Meningitis (Hirnhautentzündung) fast vollständig sein Gehör verloren. Selbst mit Hörgeräten vermag er nur Geräusche wahrzunehmen. „Die Kund:innen können das natürlich nicht wissen. Das sorgt schon für Verwirrung, wenn ich mich in der Gegensprechanlage nicht melden kann und sie nicht wissen, warum niemand antwortet. Das klärt sich erst, wenn sie dann merken, dass ich taubstumm bin.“

Alin ist einer von derzeit drei gehörlosen Mitarbeitern des Lieferservicepartners Elar. Dessen Chef Andreas Alesi ist sehr zufrieden: „Alin ist unser erster gehörloser Fahrer. Mit ihm haben wir damals für uns Neuland betreten: Wir haben einfach versucht, so gut es geht zu unterstützen. Anfangs war es schwierig für unsere Disponenten, ihnen die Informationen mitzuteilen. Aber mittlerweile hat sich alles so gut eingespielt und alle drei sind so gut integriert, dass wir fast vergessen, dass sie gehörlos sind.“

“Die Kund:innen zeigen ihre Dankbarkeit auf viele Weisen, zum Beispiel auch durch ein Lächeln. ”
Alin-Marian Dinel ist gehörlos und stellt Amazon Kund:innen in und um München Päckchen zu.

Die Kommunikation unter den Kolleg:innen ist meist schriftlich. Zur Aufklärung der Kund:innen hat Andreas Alesi seine gehörlosen Fahrer mit Ansteckbuttons mit dem Aufdruck „Gehörlos“ ausgestattet. Sollten sie Unterstützung brauchen, stehen per Messenger-Dienste Elar-Mitarbeiter:innen zur Verfügung. „Solche Bitten sind aber selten“, schmunzelt Andreas. „Wir merken, dass unsere Fahrer ihre Touren ohne Hilfe meistern möchten. Deshalb versuchen wir auch, sie wenn möglich außerhalb von München und in Gebieten mit wenig Wohnanlagen und Gegensprechanlagen einzusetzen.“

Alin ist froh über den verlässlichen und geregelten Job als Lieferfahrer. Für ihn war es schwer, eine gute Arbeit zu finden. Zu den Sprachproblemen kam seine Gehörlosigkeit. Das Zustellen der Bestellungen sei einfach, teilt er mit. Und auch wenn er sich nur sehr eingeschränkt verständigen könne: „Die Kund:innen zeigen ihre Dankbarkeit auf viele Weisen, zum Beispiel auch durch ein Lächeln. Das ist schön.“

*(i. Bild oben links und rechts; Bildmitte: ein gehörloser Kollege)