Der Amazon Launchpad Sustainability Accelerator (ALSA) entstand durch eine gemeinsame Initiative von Amazon und Climate KIC (Knowledge and Innovation Community). Climate KIC wird vom EIT (European Institute of Innovation and Technology) der Europäischen Union unterstützt und ist das in Europa führende Zentrum für nachhaltige Innovationen.

ALSA richtet sich ausschließlich an Start-ups in der frühen Entwicklungsphase, die physische Produkte anbieten, welche es Kund:innen leicht machen, ihre Einkäufe nachhaltiger zu gestalten. Die Produkte müssen dabei eine messbare Verbesserung in mindestens einem Nachhaltigkeitsbereich aufweisen. Dazu zählen beispielsweise die Bereiche Recycling, Wiederverwertbarkeit und Nachhaltigkeit der in der Produktion verwendeten Materialien.

Für die erste Ausgabe des Start-up Accelerators ALSA gab es europaweit über 1.300 Bewerbungen, aus denen es zwölf Start-ups aus vier Ländern in die Auswahl geschafft und das 3-monatige Programm durchlaufen haben. Eines von ihnen ist Cleannest, das von der jungen Niederösterreicherin Rima Suppan und der US-Amerikanerin Morgan Mixon mit einer großen Vision gegründet wurde: sie wollen den Markt für Windeln und Babyprodukte revolutionieren. Cleannest steht kurz vor der Markteinführung in Großbritannien, auch Expansionspläne gibt es bereits. Wir haben mit Rima gesprochen und sie gefragt, wie sie und ihre Geschäftspartnerin ALSA erlebt haben und was die beiden für ihr gerade erst gegründetes Unternehmen mitnehmen konnten.

Klarer Fokus auf Nachhaltigkeit von Anfang an

Cleannest-Gründerinnen Rima & Morgan
Foto von Cleannest
Freude an der Sache darf bei den Gründerinnen Morgan und Rima nicht fehlen.
Cleannest-Gründerinnen Rima & Morgan
Foto von Cleannest
Gemeinsam haben sich Rima und Morgan mit Cleannest viel vorgenommen.

Nachhaltigkeit stand bei den Gründerinnen Rima und Morgan schon lange im Fokus. Rima erzählt, wie es zur Gründung von Cleannest damals im Alter von gerade einmal 23 Jahren kam: „Ich komme aus einer Unternehmerfamilie - unser Sonntagsbrunch ähnelte teilweise einem Board-Meeting (lacht). Für mich war also immer klar, dass ich einmal selbst gründen möchte. Ich habe daraufhin an der Wirtschaftsuniversität Wien und am Imperial College London ‚Innovation & Entrepreneurship‘ studiert.“ Beim Master-Studium in London lernte Rima ihre Studienkollegin und mittlerweile Geschäftspartnerin Morgan kennen. Rima berichtet: „Eine große Gemeinsamkeit war von Anfang an unser Einsatz für das Thema Nachhaltigkeit, das wir unternehmerisch umsetzen wollten.“

Vielseitige Unterstützung für Nachhaltigkeits-Pionier:innen

Alle Unternehmen, die am Start-up Programm ALSA teilgenommen haben, wurden über einen Zeitraum von insgesamt 12 Wochen in verschiedenen Bereichen gefördert. Dazu zählen etwa finanzielle Unterstützung, die laufende Betreuung durch anerkannte Expert:innen sowie ein individuell erstellter Lehrplan, der auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten ist. Ebenso standen den Start-ups für die gesamte Dauer des Programms Räume im Amazon Büro in London zur Verfügung. Nun profitieren sie von einem für ein Jahr gültigen kostenlosen Zugang zu Amazon Launchpad.

Für Workshops und Vorträge reisten die Teilnehmenden regelmäßig in die Londoner Amazon-Zentrale. Rima erzählt: „Jede Woche standen unterschiedliche Expert:innen Rede und Antwort. Dabei konnten wir aus allen Workshops etwas mitnehmen, jedes Gespräch hat uns auf eine andere Art und Weise inspiriert.“ Über die gesamte Zeit wurden die Unternehmen von jeweils zwei Berater:innen begleitet. Gemeinsam mit ihnen wurden zu Beginn Ziele definiert, die im Programm erreicht werden sollen. „Einer unserer ersten Schritte war, unser Alleinstellungsmerkmal zu definieren und dieses bestmöglich zu kommunizieren, denn Nachhaltigkeit ist für Konsument:innen lange kein alleiniger Grund die Marke zu wechseln. Dafür haben wir uns mit mehreren Hundert Familien unterhalten und unsere Produkte in Blindtests über Wochen getestet“, führt Rima an.

Kennenlernen ALSA
Morgan und Rima lernten beim ,Mentor Morning‘ zahlreiche Expert:innen kennen.
Foto von Amazon

Das gemeinsame Arbeiten im Co-Working-Space hat die Teilnehmenden schnell zusammengeschweißt, „ähnlich wie an der Universität“, sagt Rima. „Wir alle hatten unsere Höhen und Tiefen während den drei Monaten. Sich gegenseitig Mut zuzusprechen, hat uns dabei weitergeholfen. Rückblickend war ALSA eine einmalige Gelegenheit und ein echter Gamechanger für uns.“ Dadurch, dass am Programm ausschließlich nachhaltige Verbrauchermarken teilgenommen haben, standen alle vor ähnlichen Problemstellungen. Das sind etwa Fragen zur Lieferkette, dem Kundenerlebnis oder die Suche nach geeignetem Personal. „Bei der Berechnung unseres CO2-Fußabdrucks etwa haben uns die Expert:innen des Climate KIC enorm geholfen. Für unsere Cleannest Windeln konnten wir CO2-Einsparungen von jährlich über 93kg pro Baby im Vergleich zu herkömmlichen Windeln nachweisen.“

Revolution einer ganzen Branche

Die Idee für die perfekte Windel kam den Unternehmerinnen durch ihr Umfeld, erzählt Rima: „Wir sind umgeben von Freund:innen und Familien, die zum ersten, zweiten oder dritten Mal Eltern werden. Wir haben nicht nur gesehen, wie erschöpft diese jungen Eltern sind, sondern auch ihre Motivation, nachhaltigere Produkte zu konsumieren. Uns war klar, dass schlechte Produktqualität bei Windeln zu großer Frustration führt, vor allem bei nachhaltigen Varianten, die regelmäßig, vor allem in der Nacht, auslaufen. Da war für uns klar, dass wir etwas Besseres entwickeln müssen."

Eine Analyse des Windelmarkts hat Rima und Morgan in ihrem Vorhaben bestärkt: „Der Markt hat sich seit den 1980er-Jahren kaum verändert. Vor allem haben wir gesehen, dass es kein Produkt gibt, das alle Anforderungen an eine perfekte Windel vereint, also haben wir dies selbst in die Hand genommen.” Großes Potenzial sehen die beiden außerdem im Online-Abo-Modell, da Windeln bisher größtenteils ein Offline-Markt im stationären Handel sind.

Im Vordergrund steht bei einer idealen Windel ganz klar die Funktion, erklärt Rima: „Cleannest ist eine superabsorbierende und gleichzeitig umweltbewusste Windel. Wir verwenden ausschließlich die hochwertigsten Materialien und halten unsere Windeln frei von schädlichen Chemikalien sowie Duft- und Farbstoffen. Wir setzen in der Produktion zu 100 % auf erneuerbare Energie. Unsere Windeln sind für Eltern, die ein nachhaltigeres Produkt, aber trotzdem die gleiche Funktionsfähigkeit wollen. Unsere Produktvision ist es, eine 100% abbaubare Windel auf den Markt zu bringen, auf die sich Eltern in erster Linie verlassen können.“

Demo Day als krönender Abschluss einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte

Rima’s Pitch beim Demo Day
Rima überzeugte das Publikum beim Demo Day mit ihrem Pitch.
Foto von Amazon

Die erste Runde von ALSA ging im Sommer zu Ende und wurde mit dem Demo Day abgeschlossen, der die teilnehmenden Unternehmen nochmals vor den Vorhang holte und ihnen eine weitere Chance zur Vernetzung bot. „Alle ALSA-Teilnehmer:innen hatten die Gelegenheit, ihr Konzept vor einem großen Publikum von insgesamt über 500 Personen, vor Ort und per Livestream, zu pitchen. An der Veranstaltung nahm eine Vielzahl an Investor:innen, Nachhaltigkeitsexpert:innen und Meinungsführ:innen teil, wodurch man nochmals wertvolle Kontakte knüpfen konnte“, zieht Rima Resümee. Cleannest wird im April 2023 auf den Markt gehen und mit dem Online-Verkauf starten. Bis dahin können Interessierte aber schon einen ersten Einblick bekommen und das Produkt selbst testen, indem sie sich auf www.cleannest.co anmelden.